Geschichte Leipzig: Neuzeit

18. Jahrundert

Leipzig erwarb den Spitznamen „Kleines Paris“, als die fortschrittsbewusste Messestadt im Jahr 1701 mit einer Straßenbeleuchtung ausgestattet wurde und sich fortan mit der mondänen Seine-Metropole vergleichen konnte.

Anfang des 18. Jahrhunderts studierte Georg Philipp Telemann in Leipzig und gründete hier das Collegium musicum. Von 1723 bis zu seinem Tod 1750 war Johann Sebastian Bach vom Rat der Stadt als Thomaskantor und „Director musices“ (Leiter der gesamten Kirchenmusik in der Stadt) angestellt. Hier entstanden u. a. die Johannespassion, die Matthäuspassion, das Weihnachtsoratorium, die H-Moll-Messe und die Kunst der Fuge.

Während des Siebenjährigen Krieges wurde Leipzig von 1756 bis 1763 durch Preußen besetzt.

Von 1764 bis 1768 studierte Johann Wolfgang von Goethe in Leipzig. Sein Griechenland-Bild war von den Leipziger Griechen geprägt, die die größte griechische Gemeinde außerhalb Griechenlands stellten.

19. Jahrhundert

Nachdem Sachsen seit 1806 mit Frankreich verbündet war, fand im Jahre 1813 die Völkerschlacht bei Leipzig statt, bei der im Zuge der Befreiungskriege die gegen Napoleon verbündeten Heere Österreichs, Preußens, des Russischen Reichs, Schwedens und deutscher Patrioten dem napoleonischen Frankreich und seinen Verbündeten, darunter dem Königreich Sachsen, eine entscheidende Niederlage beibrachten. Am 19. Oktober 1813 wurde der sächsische König Friedrich August. I in Leipzig gefangengenommen.

1831 wurde die sächsische Städteordnung eingeführt. Es gab nun eine von der Bevölkerung gewählte Stadtverordnetenversammlung und einen Bürgermeister, der ab 1877 den Titel Oberbürgermeister erhielt. Bereits 1874 war Leipzig aus der Amtshauptmannschaft ausgeschieden und eine „exemte Stadt“ geworden. (Heute bezeichnet man solche Städte als kreisfreie Stadt.) Sie blieb aber weiterhin Sitz von Amts- und Kreishauptmannschaft Leipzig.

Im August 1835 wurde Felix Mendelssohn Bartholdy Gewandhauskapellmeister. Er behielt dieses Amt bis zu seinem Tod im November 1847 und reformierte mit dem Gewandhausorchester das europäische Konzertleben. In dieser Zeit entstanden u. a. die Sinfonie Nr. 3 („Schottische“ Sinfonie), das Violinkonzert e-Moll und das Oratorium Elias.

1839 wurde die Leipzig-Dresdner Eisenbahn als erste deutsche Fernbahnstrecke eröffnet. Leipzig entwickelte sich allmählich zum wichtigsten Verkehrsknotenpunkt in Mitteldeutschland, was sich auch darin äußerte, dass der nach Mailand größte Kopfbahnhof Europas von 1902 bis 1915 in Leipzig entstand.

Im Vormärz kam es in Leipzig im Zuge des Besuchs des Prinzen Johann im August 1845 zu Auseinandersetzungen mit Todesopfern und darauf folgend zu Demonstrationen gegen die sächsische Regierung.

Am 23. Mai 1863 wurde in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) gegründet. Er gilt als älteste demokratische Partei in Deutschland und als die erste Vorgängerorganisation der bis heute bestehenden SPD.

1877 entstand das erste Leipziger Wasserwerk in Naunhof, 1897 der erste Wasserturm in Möckern, 1907 der in Probstheida.

20. Jahrhundert

Von 1899 bis 1905 wurde an Stelle der alten Pleißenburg, die abgerissen wurde, das Neue Rathaus errichtet. 1913 wurde das 91 m hohe Völkerschlachtdenkmal fertig gestellt. Es steht an der Stelle, an der die heftigsten Kämpfe tobten und die meisten Soldaten fielen. Dieses gewaltige Monument ist eines der Wahrzeichen Leipzigs.

Im Jahr 1900 wurde der Deutsche Fußball-Bund in Leipzig gegründet. Der VfB Leipzig wurde 1903 erster deutscher Fußballmeister.

Infolge der Industrialisierung, aber auch vielfältiger Eingemeindungen der Vororte, stieg am Ende des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungszahl rasant an und ließ Leipzig vor dem Zweiten Weltkrieg mit 750.000 Einwohnern zur fünftgrößten Stadt Deutschlands werden.

Leipzig entwickelte sich zum bedeutendsten Standort des Buch- und Verlagswesens, sowie der dazugehörigen Industrie. Die Deutsche Bücherei wurde bis 1945 die wichtigste Sammlung deutschsprachiger Druckerzeugnisse.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt. Jedoch amtierte noch bis 1936 Carl Friedrich Goerdeler, der später zu den Widerständlern des 20. Juli 1944 gehörte.

Als 1942 tausende Leipziger Juden in die Konzentrationslager deportiert wurden, gab es keinen Widerstand. Den schwersten ca. eine Stunde dauernden Bombenangriff (Fliegeralarm ca. 3:40 Uhr) des Zweiten Weltkriegs erlebte Leipzig am 4. Dezember 1943. Der Angriff wurde von der Royal Airforce unter dem Decknamen Haddock durchgeführt. Ein weiterer Angriff fand am 7. Juli 1944 durch die US Airforce statt. Dabei wurde der Hauptbahnhof erheblich beschädigt.

Auf Stadtgebiet befanden sich mehrere Außenlager des KZ Buchenwald. Am 12. April 1945 wurden im Zuge von Kriegsendphasenverbrechen 53 deutsche und ausländische Häftlinge aus zwei Leipziger Gefängnissen am Stadtrand ermordet. Am nächsten Tag fielen 32 deutsche, französische, österreichische und tschechoslowakische Polizeihäftlinge in einer Leipziger Wehrmachts-Kaserne dem NS-Massenmord zum Opfer.

Am 18. April 1945 besetzten Einheiten der 3. US-Armee die Stadt und schlugen ihr Hauptquartier im Hotel Fürstenhof auf. Es gab nur vereinzelt bewaffneten Widerstand. Endgültig übernahm sie am 2. Juli die sowjetische Armee aufgrund des 1. Londoner Zonenprotokolls von 1944 und der Beschlüsse der Konferenz von Jalta als Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone. Die sowjetische Militäradministration bildete den „Rat der Stadt“ und die Stadtverordnetenversammlung, deren Zusammensetzung zu DDR-Zeiten aber vom SED-Regime diktiert wurde.
•Siehe auch: Hugo-Schneider-Aktiengesellschaft (HASAG Leipzig. In diesem nicht mehr existenten Rüstungskonzern, mit Zweigbetrieben in Taucha, Altenburg, Meuselwitz, Schlieben und den polnischen Werken in Kamienna und Tschenstochau, wurden Waffen, Munition, vor allem im Monopol die Panzerfaust produziert.)

DDR Zeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ die wirtschaftliche Bedeutung Leipzigs infolge der Zugehörigkeit zur sowjetischen Besatzungszone bzw. zur DDR stark nach, was sich auch in einem kontinuierlichen Rückgang der Einwohnerzahl äußerte. Zu DDR-Zeiten war sie Hauptstadt des Bezirks Leipzig.

1955/1956 wurde aus Trümmerschutt das Zentralstadion errichtet, welches mit über 100.000 Sitzplätzen das größte Stadion in Deutschland war.

1968 erfolgte auf Betreiben der SED-Führung (der damals der gebürtige Leipziger Walter Ulbricht vorstand) die Sprengung der Paulinerkirche (Universitätskirche), um die „sozialistische Umgestaltung“ des Augustusplatzes (damals Karl-Marx-Platz) abzuschließen. Der Wiederaufbau des Bauwerkes wurde nach der politischen Wende jahrelang sehr kontrovers diskutiert und führte unter anderem zum Rücktritt des Rektors der Universität. 2004 wurde entschieden, dass im Rahmen des bis 2009 zu errichtenden Universitätsneubaus an die Kirche erinnert wird. Das Gebäude wird eine kirchenartige Aula enthalten und auch die äußere Erscheinung nimmt die ehemalige Kirche auf.

1969 wurde die S-Bahn eröffnet.

Leipzig spielte eine bedeutende Rolle für die friedliche Revolution 1989, die zum Mauerfall und schließlich zur Wiedervereinigung Deutschlands führte. Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche fanden bereits seit dem 20. September 1982 jeden Montag statt. Sie wurden in der Hauptsache von Christian Führer, dem Pfarrer der Nikolaikirche initiiert. Die Friedensgebete boten die Möglichkeit des Austauschs und des Gedenkens in einer intimeren Atmosphäre. Ende 1988 begann die Besucherzahl aufgrund der verstärkten gesellschaftlichen Debatte zu steigen, und die Friedensgebete bekamen politische Relevanz. Die Versuche des Staates, reglementierend Einfluss auf Verlauf und Ausgestaltung der Friedensgebete zu nehmen, führten dazu, dass zunehmend Aktionen im Anschluss vor der Kirche stattfanden. Viele der Teilnehmer verweilten nach dem Gebet auf dem Nikolaikirchhof. Diese neue Öffentlichkeit bot eine Basis für angeregten Informationsaustausch und Reflexion.

Am 11. Januar 1989 wurden von Mitgliedern von Basisgruppen 5000 Flugblätter verteilt, die zur Teilnahme an einer Gedenkdemonstration „zur demokratischen Erneuerung unserer Gesellschaft“ am 15. Januar 1989, dem 70. Jahrestag der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts, aufriefen und Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit. Vier Oppositionelle wurden noch am selben Tag verhaftet, MfS-Mitarbeiter entfernten einen großen Teil der Handzettel aus den Briefkästen. An der Demonstration nahmen 500 Leipziger teil, nach Auflösung der Kundgebung wurden 53 Personen verhaftet, mussten jedoch nach weiteren Protesten, Fürbittandachten und außenpolitischem Druck durch die Außenminister der Bundesrepublik und der USA im Rahmen der 3. KSZE bis zum 19. Januar freigelassen werden. Dies war die erste nicht genehmigte Demonstration der 80er Jahre in der DDR.

Am 13. März, während der Leipziger Frühjahrsmesse unter Anwesenheit vieler westlicher Journalisten, demonstrierten 300 Bürger, darunter viele Ausreiseantragsteller, vor der Nikolaikirche. Der Demonstrationszug im Anschluss an das Friedensgebet wurde durch Sicherheitskräfte und von der SED organisierte „Gesellschaftliche Kräfte“ aufgelöst, als er sich bereits vom Markt Richtung Thomaskirche bewegte. Daraufhin genehmigte die DDR-Führung im Rahmen der Aktion „Auslese“ bis zum 7. Mai etwa 2000 Ausreiseanträge, um den gesellschaftlichen Druck zu entspannen. Während der Kommunalwahlen am 7. Mai gelang es Oppositionellen, die Stimmauszählungen des Stadtbezirks Leipzig-Mitte zu kontrollieren. Die Wahlbeteiligung lag um ca. 7 %, die Zahl der abgegebenen Ja-Stimmen um ca. 5 % niedriger als offiziell verlautet. Damit konnte der DDR-Führung erstmals Wahlbetrug nachgewiesen werden. Die “Demokratische Initiative – Initiative zur demokratischen Erneuerung der Gesellschaft” hatte kurz vor der Wahl Flugblätter verteilt und zur Wahlverweigerung aufgefordert. Stattdessen sollte auf dem Marktplatz ein „alternatives Volksbegehren“ stattfinden, wobei die Wahlscheine der Nichtwähler in einer Urne gesammelt werden sollten. Zusätzlich wurde zu einer Demonstration vor dem Völkerschlachtdenkmal eingeladen. Die Initiatoren wurden zu einer Haftstrafe bis zu anderthalb Jahren verurteilt. Es kam zu über 100 Festnahmen mit anschließenden Verhören durch die Staatssicherheit.

Am 4. Juni sollte anlässlich des Weltumwelttages die Veranstaltung “Eine Hoffnung lernt gehen – Pleißepilgerweg 1989″ entlang der verrohrten Pleiße stattfinden. Obwohl die zunächst genehmigte Aktion verboten wurde, nahmen an den Gottesdiensten etwa 1400 Personen teil. 74 Teilnehmer wurden verhaftet. Das für den 10. Juni geplante, aber nicht genehmigte Straßenmusikfestival endete gegen 12 Uhr Mittags in einer Verhaftungswelle durch die Volkspolizei. Die Festnahmen der Musiker, die samt ihrer Instrumente brutal auf LKWs „verladen“ wurden, lösten heftige Proteste unter den anwesenden Passanten aus.

Zum Kirchentag vom 6. bis 9. Juli wurden politische Probleme von den Veranstaltern nicht thematisiert. In der Lukaskirche wurde von Basisgruppen jedoch ein „Statt-Kirchentag“ veranstaltet, an dem 2500 Menschen teilnahmen. Hieran nahmen Oppositionelle aus der gesamten DDR teil. Im Anschluss an den Abschlussgottesdienst auf der Rennbahn bildete sich eine Demonstration gegen Wahlbetrug und für Demokratie. Auf dem Weg in die Innenstadt entrissen Mitarbeiter des MfS den Demonstranten Transparente und flüchteten in die Straßenbahn. Während einer Demonstration zur Leipziger Herbstmesse am 4. September rissen MfS-Mitarbeiter vor laufenden Kameras westlicher Journalisten Transparente mit Aufschriften wie „Für ein offenes Land mit freien Menschen“ herunter. Darauf reagierten die Demonstranten mit „Stasi raus“-Rufen. Erstmals war auch der Ruf „Wir bleiben hier“ zu hören, nachdem zuvor vor allem Ausreisewillige die Atmosphäre der Demonstrationen dominiert hatten. Von diesem Zeitpunkt an protestierten beide Lager gemeinsam für Veränderungen.

Am 11. September hatte die Volkspolizei den Nikolaikirchhof abgeriegelt, nachdem über 1000 Menschen am Friedensgebet teilgenommen hatten. 89 Personen wurden festgenommen und Ordnungsstrafen von bis zu 5000 Mark verhängt. Auch am 18. September waren Polizeiketten um die nahezu überfüllte Kirche postiert, wieder kam es zu Festnahmen. Am 25. September nahmen 5000 Menschen an der Montagsdemonstration teil und forderten unter anderem die Zulassung des Neuen Forums. Da der Weg zum Markt durch die Polizei abgesperrt war, verlagerte sich der Demonstrationszug Richtung Karl-Marx-Platz und führte dann über den Ring bis zur „Runden Ecke“, dem Sitz der Bezirksverwaltung des MfS.

Ende September wurden von der SED initiierte Leserbriefe gegen die Friedensgebete unter dem Titel “Wir wollen weiter in Ruhe und Geborgenheit leben” in der LVZ veröffentlicht, taten dem Zulauf zu Gebeten und Demonstrationen aber keinen Abbruch. Am 2. Oktober demonstrierten bereits 20000 Menschen. Während des Zuges um den Ring bis zur Thomaskirche wurde eine Polizeikette durchbrochen. Im Anschluss ging die Polizei mit Hunden, Helmen, Schlagstöcken und Schildern ausgerüstet gegen die Demonstranten vor, wobei es wiederum zu vielen Festnahmen kam.

Am 6. Oktober wurde der von der SED in Auftrag gegebene Leserbrief eines Leipziger Kampfgruppenkommandeurs veröffentlicht, in dem es hieß: “Wir sind bereit und Willens, das von uns mit unserer Hände Arbeit Geschaffene wirksam zu schützen, um diese konterrevolutionären Aktionen endgültig und wirksam zu unterbinden. Wenn es sein muss mit der Waffe in der Hand.” Diese massiven Einschüchterungsversuche seitens des Staates sowie die interne Aufforderung zu radikalen Maßnahmen verliehen der Lage eine immer schärfere Brisanz. Am 7. Oktober, dem 40. Jahrestag der DDR, demonstrierten 4000 Personen in Leipzig, 210 wurden verhaftet. Am 9. Oktober standen 8000 Polizisten, Kampftruppenmitglieder und NVA-Soldaten bereit. In den Krankenhäusern waren die Blutkonserven aufgestockt worden, medizinisches Personal wurde zu Spät- und Nachtschicht zwangsverpflichtet. Die Nikolaikirche war schon seit 14 Uhr mit 600 SED-Mitarbeitern besetzt. Zugverbindungen nach Leipzig waren erschwert Trotz der drohenden Gefahr einer „chinesischen Lösung“ nach Vorbild des Massakers vom „Platz des Himmlischen Friedens“ fanden sich 70000 Bürger nach den Friedensgebeten zusammen. In der gefahrvollen Situation verlas Gewandhauskapellmeister Kurt Masur einen von ihm, dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange, dem Theologen Peter Zimmermann und drei SED-Funktionären (so genannte „Leipziger Sechs“) verfassten Text, der zur Gewaltlosigkeit aufrief: “Bürger! Professor Kurt Masur, Pfarrer Dr. Zimmermann, der Kabarettist Bernd-Lutz Lange und die Sekretäre der SED-Bezirksleitung Dr. Kurt Meyer, Jochen Pommert und Dr. Roland Wötzel wenden sich mit folgendem Aufruf an alle Leipziger: Unsere gemeinsame Sorge und Verantwortung haben uns heute zusammengeführt. Wir sind von der Entwicklung in unserer Stadt betroffen und suchen nach einer Lösung. Wir alle brauchen freien Meinungsaustausch über die Weiterführung des Sozialismus in unserem Land. Deshalb versprechen die Genannten heute allen Bürgern, ihre ganze Kraft und Autorität dafür einzusetzen, dass dieser Dialog nicht nur im Bezirk Leipzig, sondern auch mit unserer Regierung geführt wird. Wir bitten Sie dringend um Besonnenheit, damit der friedliche Dialog möglich wird. Es sprach Kurt Masur”. Die Erklärung wurde ab 18 Uhr über den Stadtfunk gesendet. Der Demonstrationszug führte von der Nikolaikirche Richtung Oper, dann auf den Ring. Als die Menschen am Hauptbahnhof vorbeizogen, zogen sich die Sicherheitskräfte zurück. Mit einer solchen Anzahl an Menschen hatte der Staat nicht gerechnet. Nach unbeantworteten Telefonaten nach Berlin entschieden der 2. Sekretär der SED-Bezirksleitung Hackenberg und Polizeipräsident Generalmajor Straßenburg den Rückzug. Die Gründe und der genaue Hergang sind aber bis heute nicht vollständig geklärt. Auf den Treppen der „Runden Ecke“ wurden Kerzen aufgestellt. Gegen 20 Uhr war die Demonstration beendet und die Macht des Staates gebrochen.

Nach dem 9. Oktober stieg die Zahl der Demonstranten noch einmal deutlich an: Am 16. Oktober waren es 120.000 Menschen, am 23. Oktober demonstrierten 200.000 für Reformen und die Zulassung des Neuen Forums, am 30. Oktober waren es 300.000. Eine Woche später, am 6. November, fand die größte Montagsdemonstration in Leipzig statt. Verschiedene Schätzungen belaufen sich auf 300.000 bis 400.000 Demonstranten aus der gesamten DDR. Nach dem Mauerfall nahm die Zahl der Demonstranten ab. Am 13. November demonstrierten noch 150.000 gegen die SED und die Staatssicherheit

Nach der Wende

Heute ist Leipzig immer noch als Messe-, Medien- und Universitätsstadt bekannt, wenn auch die Bedeutung geringer ist als vor dem Krieg.

Am 12. April 1996 wurde mit einem Festakt das neue Messegelände eröffnet, das als modernstes Ausstellungs- und Kongresszentrum Europas in knapp dreijähriger Bauzeit errichtet wurde.

Am 12. April 2003 setzte sich Leipzig im Ausscheid um den deutschen Bewerber für die Olympischen Spiele 2012 gegen die Städte Hamburg, Düsseldorf (mit der Rhein-Ruhr-Region), Frankfurt und Stuttgart durch. Zusammen mit Rostock bewarb sich Leipzig am 15. Januar 2004 offiziell als deutscher Kandidat für die Olympischen Spiele 2012 beim IOC. Am 18. Mai 2004 verweigerte das IOC der Stadt im internationalen Vorausscheid die Anerkennung als candidate city, die Bewerbung ist damit gescheitert.

Circa seit der Jahrtausendwende kann auch Leipzig verstärkt auf eine wirtschaftliche Konsolidierung verweisen. Mit der Ansiedlung großer Unternehmen im produzierenden und im Transportgewerbe begann eine Abkehr vom Trend zur reinen Dienstleistungsstadt, welchen man direkt nach der Wende verfolgt hatte. So haben sich mittlerweile BMW, Porsche, Siemens und Amazon in der Stadt angesiedelt. DHL baut auf dem Flughafen sein zentrales europäisches Drehkreuz.

Seit einigen Jahren ist auch wieder eine verstärkte Bautätigkeit in der Stadt zu verzeichnen. So wurden große Vorhaben abgeschlossen, beziehungsweise befinden sich im Bau (Citytunnel, Universitätsneubau, Zentralstadion, Bildermuseum).

Auch die Einwohnerzahl der Stadt steigt seit Jahren leicht, aber kontinuierlich wieder an. Leipzig wurde wieder zur Halbmillionen-Stadt.