Kneipe und Kommers

Verhalten bei Kneipe und Kommers

Beim Einzug grüßen die Chargierenden zuerst die Corona und bei Kommersen dann schon
eventuell einchargierte Vertreter anderer Korporationen in der Chargenschaft.
Das Grüßen erfolgt wie eine militärische Ehrenbezeugung durch das Anlegen der rechten Hand an
die rechte Schläfe. Wird man selber von anderen, einziehenden Chargierenden gegrüßt, so ist der
Gruß zu erwidern. Zieht das Präsidium des Abends ein, so wird es von allen anwesenden
Chargierenden gegrüßt, bis es seinen Platz erreicht hat, und die Veranstaltung eröffnet. Dabei
drehen sich die Chargen mit, so dass sie immer in Richtung des einziehenden Präsidiums grüßen.
Sollte vor dem Präsidium der Vorort der Verbindung einchargieren, so ist ihm die gleiche
Ehrenbezeugung entgegenzubringen, bis er seinen Platz erreicht hat.
Bei eventuell stattfindenden Receptionen oder Promotionen erheben sich die Chargierenden,
stecken den Schläger weg und drehen sich zum Präsidium. Während der Senior den Schläger auf
die Schulter des Aufzunehmenden legt bzw. bei der Promotion die Aufnahmeformel (in der Regel
Lateinisch) spricht, und die Burschung vollzieht, ist ebenfalls zu grüßen.
Falls ein Bundesbruder spricht, d. h. die Festrede oder ein Grußwort hält, stehen die Chargen dabei
auf, um den Redner damit zu ehren.
Während der Colloquien des Offizes dürfen die Chargenabordnungen einander zuprosten. Dieses
Zuprosten ist eine besondere Ehrenbezeugung gegenüber der anderen Korporation. Das bedeutet,
daß es unnötig ist, jedem möglichen Verein zuzuprosten. In der Regel geschieht das Zuprosten nach
der Reihenfolge des Einzugs der Chargen. Das heißt, daß die jüngeren Korporationen, denen den
Zutrunk antragen, die nach ihnen einchargiert sind. Die Strenge der Auslegung dieser Regel wird
jedoch in den KV-Vereinen unterschiedlich gehandhabt.
Ein Zutrunk wird durch eine Couleurkarte via Bierfuchs, oder wenn nicht vorhanden über die
Bedienung oder durch Weiterreichen, angetragen. Es wird nicht zugerufen!
Das Zuprosten beginnt bei einigen Vereinen durch Zuruf des Korporationsnamens, so daß die
andere Korporation bemerkt, daß ihr zugeprostet werden soll. Beide Chargenabordnungen stehen
sich nun in einiger Entfernung gegenüber und können sich nach einem festgelegten Schema
zuprosten. Man erhebt das Glas, wechselt es dann in die linke Hand, grüßt, wechselt es wieder in
die rechte Hand, erhebt das Glas wieder, trinkt, erhebt das Glas erneut, wechselt es in die linke
Hand, grüßt, wechselt das Glas zum letzten mal in die rechte Hand und prostet sich abschließend
zu.
Das Zuprosten:
1: Zuprosten
2: Handwechesl
3: Grüßen4: Handwechsel
5: Zuprosten
6: Zutrinken
7: Zuprosten
8: Handwechsel
9: Grüßen
10: Handwechsel
11: Zuprosten

Im Vollwichs ist es untersagt, eine Veranstaltung vorzeitig zu verlassen, um z. B. auf Toilette zu
gehen. Geschieht dies trotzdem, was unter allen Umständen zu vermeiden ist, so legen alle (!)
Chargierende des Vereins Cerevis, Schärpe, Handschuhe und Schläger ab und verlassen gemeinsam
den Saal. Beim Verlassen des Raumes ist darauf zu achten, daß die abgelegten Couleurartikel
möglichst einem neben einem sitzenden Verein anvertraut werden, sonst läuft man Gefahr, die
Utensilien später gegen ein Faß Bier auslösen zu müssen.
Zum Abschluß einer Kneipe oder eines Kommerses wird im allgemeinen die deutsche
Nationalhymne gesungen. Dabei stehen Corona und Chargenschaft auf, der Schläger wird an den
Ort gesteckt. Während der Nationalhymne wird gegrüßt. In anderen Verbänden ist es üblich,
während der Strophe zu ”stechen”, d. h. den blanken Schläger vor sich nach oben in die Luft
gestreckt zu halten.
Am Ende einer Kneipe oder eines Kommerses, an denen Chargenabordnungen teilgenommen
haben, kommt es im allgemeinen zur Bildung eines Chargenspaliers.
Dabei stellen sich die schon auschargierten Abordnungen vor dem Veranstaltungssaal zu einem
Spalier auf, durch das die folgenden Chargierenden hindurch müssen, um den Raum zu verlassen.
In der Regel wird dabei der Schläger gezogen und in die Luft gestreckt, so daß die nachfolgenden
Chargierenden unbehelligt durch das Spalier ziehen können.
Die Chargierenden, die das Spalier durchlaufen wollen, müssen nun unter den Klingen oder sogar
durch diese hindurch. Bei der Durchquerung des Spaliers versuchen einige Unverbesserliche
zudem, den Auschargierenden das Cerevis oder sogar den Zipfelbund zu entwenden. Gelingt dies,
muß man sich auf eine Auslösung der ”Beute” aber nicht einlassen, da die Gegenstände regelrecht
geraubt wurden.
Das Verteilen von Rosen oder anderen Blumen während des Auszugs an die Chargierenden hat sich
in der Vergangenheit als positiv herausgestellt, da statt der Schläger dann die Blumen in die Luft
gestreckt werden können, was von vornherein zur Entschärfung der Situation beitägt.

Kommers

Ein Kommers ist eine Feier. Eine Feier mit Niveau.
Die Kneipe und speziell der Kommers ist eine traditionelle studentische Feier — Gegenstand
mannigfaltiger Beschreibungen der Vergangenheit und der Gegenwart, die von ihren Teilnehmern
bei Wort, Trunk und Gesang nach bestimmten Gebräuchen und Regeln gestaltet wird und in
Fröhlichkeit und Geselligkeit der Pflege der Freundschaft dienen soll.
Der Kneipcomment liefert dabei den Rahmen, der einerseits der Aufrechterhaltung der Ordnung
dient, der andererseits aber auch einen repräsentativen Effekt nach außen verbürgen soll.
Schließlich soll er dazu beitragen, einen nachhaltigen Eindruck auch hei den Teilnehmern des
Kommers zu hinterlassen, der sich dann positiv auf das tägliche Leben der Korporation auswirken kann.
Zur Beschreibung der einzelnen Teile von Kommersen:

Aufbau

Ein Kommers teilt sich in zwei Teile. Ein Hochoffiz und ein Offiz. Das Hochoffiz ist hier der
festlichere Teil, in dem neben der Begrüßung und Totenehrung, vor allem auch die Rezeptionen und
Promotionen fallen.
Hochffiz
Einzug der Chargen
Begrüßung
Totengedenken
Prinzipienrede
Festrede
Rezeption und Promotion
Nationalhymne

Offiz

Im Offiz werden die Zügel etwas gelockert. Dem Senior steht es frei, das Rauchverbot aufzuheben
und auch die Lieder werden weniger getragen und heiterer gesungen. Die Kolloquien können nun
von den Chargierten dazu genutzt werden dem Präsidium, einander oder einzelnen Personen aus der
Corona zuzuprosten.

Sitzordnung

Das Präsidium sitzt, anders als bei der Kneipe, geschlossen vor Kopf. Davor sitzen ebenfalls
senkrecht zur Corona die Chargenabordnungen. In zwei oder drei Querreihen füllt dann die Corona
den Rest des Saals aus. Üblicherweise sitzt der Philistersenior am Kopf des, vom Präsidium
gesehen, rechten Zapfens. Neben ihm sitzt der Festredner. Üblicherweise finden sich an diesem
Zapfen auch die übrigen Würdenträger und die älteren AHAH. Die Aktiven sitzen, sofern sie nicht
zapfen oder anderweitig die Bierversorgung sichern meist nah an der Theke.
Anmerkungen
Das hier aufgezeigte Schema sollte nur als Grundgerüst verstanden werden. Ein guter
Kommerspräside zeichnet sich dadurch aus, daß er mit dem Comment spielen kann.
Während aller Kneiphandlungen gilt ein strenges „silentium” und das gesamte Präsidium bzw.
Präside und Contra stehen. Während dem Kommers wird die Zeit in Bierminuten gemessen. Fünf
Bierminuten entsprechen drei Zeitminuten.
Das Präsidium grüßt beim Einzug, beim Zutrunk , bei der fünften Strophe von „Gaudeamus igitur”
(„Vivat et res publica …”), während des gesamten Bundesliedes, Rezeption und Promotion,
Farbenstrophe, während der Nationalhymne, für die Dauer der Schweigeminute zum
Totengedenken und zum Auszug.
Als commentgemäßer Stoff gilt in der Regel nur das Bier, andere Getränke nur mir Erlaubnis des
Präsidiums. Gerade in diesem Punkt hat das Präsidium eine große Verantwortung. Ein „Bierzwang”
ist in jedem Falle zu vermeiden. Damit niemand über seine Kräfte zu trinken braucht, kann er sich
vom Präsidium für bierkrank erklären lassen. Jemand, der sich für bierkrank hat erklären lassen, sollte kein Bier mehr trinken, bevor er nicht „rehabilitiert” ist. Auf Kommersen wird hier sehr
generös verfahren, da diese für ein breites Publikum gedacht sind. Hier sollte von vornherein eine
breitere Palette Getränke angeboten werden.
Das „in die Kanne schicken” sollte dem inoffiziellen Teil der Kneipe vorbehalten werden.
Das “Löffeln”, das Trinken im Sinne einer Entschuldigung, kann bei Commentverstößen oder
sonstigem Fehlverhalten freiwillig geschehen. Hierbei trinkt der Sich-Löffelnde soviel ihm adäquat
erscheint. Aufforderungen zum „sich löffeln” machen keinen Sinn, da sie dem freiwilligen
Charakter des „Löffelns” widersprechen.
Liederbücher oder -hefte sollten niemals offen liegengelassen werden. Wenn jemand ein volles
Gemäß in das geöffnete Buch stellt, so hat der Besitzer des Buches das Gemäß zu leeren. Gerade
bei Kneipen und Kommersen sollte daher das Liederbuch bzw. -heft auch zwischen den Strophen
mit der offenen Seite auf den Tisch gewendet oder geschlossen werden.

Tipps & Anregungen

• 4 Podeste bei Schallwand bestellen, damit das Präsidium höher steht
• Ein gutes Chargenessen lockt mehr Chargierte anderer Verbindungen
• Plan Kommersablauf hinter die Theke (Lichtsteuerung, Receptionen (Krüge vorbereiten), Salamander) oder als erste Seite in den Bierfetzen
• Blumenstrauß für die Damen bei der Begrüßung (exemplarisch, z.B. Frau des Philisterseniors, Mutter des Seniors…)
• Gästebuch im Offiz rumgebenlassen, damit sich jeder eintragen kann.
• Snacks nach dem Kommers
• Finanzierung über Fuchsenkasse (dafür Einnahmen an Fuchsenkasse)

Begruessung im Rahmen von Kneipe und Kommers

Die Begrüßung im Rahmen einer Kneipe oder eines Kommerses wird nach einem festgelegten
Prozedere vorgenommen. Der Präside eröffnet die Kneipe mit den Worten:
Chargen, Schläger frei!
Hiermit eröffne ich die (Semesterantritts-, Nikolaus- o.a.) Kneipe eines verehrlichen
Studentenvereins … . Der erste Schlag steht bei mir, der zweite bei mir , der dritte bei
mir und meinen Conchargen.
Es ergeht ein gestrenges „non licet vagari et „non licet fumare”. Sedeatis! Silentium.
Die Begrüßung von Ehrengästen, Ehrenmitgliedern, Vorstandsmitgliedern aus AHV und
Couleurvertretern sollte in ein Lied eingebettet werden.
Meist findet auch schon im Rahmen der Begrüßung die Totenehrung statt. Hierzu erheben sich
Chargierte und Corona von den Plätzen, der Präside bittet um ein Schweigeminute.
Nach der Schweigeminute fährt der Präside fort:
Chargen, Schläger frei! – Sedeatis.Prinzipienrede
Eine Prinzipienrede wird vom Senior anlässlich eines Festkommerses oder einer Kneipe gehalten.
Sie sollte sich differenziert, aber mit Witz und Charme mit dem angesprochenen Sachverhalt
befassen. Eine Prinzipienrede ist keine Festrede, weder in ihrer Länge noch in ihrem
wissenschaftlichen Anspruche.

Festrede

Eine Festrede ist eine im Rahmen eines Kommerses oder einer Festkneipe gehaltene Ansprache. Sie
folgt auf die Prinzipienrede des Seniors und bildet, neben Reception und Promotion den feierlichen
Höhepunkt des Hochoffiz.
Die in einer Festrede angesprochenen Themen sind freier als solche einer Prinzipienrede und
werden vom Vorstand in Absprache mit dem Festredner ausgewählt.
Häufig werden sie von Politikern, Personen des öffentlichen Lebens, Professoren oder AHAH
gehalten und sollten sich, wenn möglich, in die “bierlaunige” Stimmung der Veranstaltung einfügen,
ohne jedoch zur Büttenrede zu verkommen.

Auf einem Kommers

Der Festredner sitzt üblicherweise zu Kopf des rechten Zapfens gegenüber dem Philistersenior.
Der Consenior und der Fuchsmajor begleiten den Redner zum Rednerpult, während der
Biermusicus einen Marsch spielt. Der Senior übergibt nach einer kurzen Vorstellung des Redners
und einigen einleitenden Sätzen, an jenen das Wort.
Während der Rede stehen die Chargen des Präsidiums, hält ein Bundesbruder eine Festrede, egal ob
auf dem eigenen Kommers oder dem einer anderen Korporation, grüßen die Chargierten.
Während der Festrede ruht die Bierversorgung, um jene nicht durch lästiges Gläserklingen u.ä. zu
unterbrechen.
Nach der Festrede übergibt der Senior mit einigen dankenden Worten dem Redner das
Gastgeschenk, danach führen die Conchargen den Redner auf seinen Platz zurück.