Die Festrede

Tipps zum Schreiben einer Festrede

Als Senior kommt mit dem Schlagen des Kommerses auch das Halten einer Prinzipienrede auf Dich
zu. Für viele ist dies das erste Mal, dass sie allein vor großem Publikum stehen oder zu einer großen Menge sprechen und das auch noch zu einem unvertrauten Thema. Erster Tipp daher:
• Niemand erwartet einen Vortrag, an Hand dessen man eine Doktorarbeit summa cum laude
schreiben kann. Der fachlich qualifizierte Teil wird vom Festredner erwartet, der im Zweifelsfall ein
hochdotierter, mannigfach ausgezeichneter und erwiesenermaßen kluger Kopf ist. Du bist Senior
einer Verbindung, das ist zwar auch schon was, aber Du wirst noch nicht einmal bezahlt.
• Häufig neigt man dazu die Festrede vor sich herzuschieben. Es steht ja auch viel anderes an. Ein
Programm muss erstellt und verschickt, Veranstaltungen geplant, organisiert und nachbereitet
werden. Man fährt durch die Gegend in den Farben des Vereins, um diesen zu repräsentieren, man
schlägt sich Nächte mit Conventen um die Ohren, hält Kontakt zu Alten Herren und hört sich das
Gequängel der Aktiven an. Gerade in der Zeit vor dem Fest gibt es viel zu tun und leicht schiebt
man daher gerade diese Arbeit vor sich her. Der Kommers selbst ist an Hand der Fuchsenfibel in
Ablauf und Durchführung relativ schnell und leicht erstellt, aber die Prinzipienrede erfordert Zeit.
Details kann man immer noch ausbessern, aber mindestens ein erfahrener Aktiver sollte einmal kurz
über Kommers und Festrede drüberlesen, um Fettnäpfchen zu vermeiden.

Wahl des Themas

Prinzipien sind alt und trocken? Hunderte von Seniores haben schon etwas über Religion,
Wissenschaft und Freundschaft gesagt, was könntest Du da schon ergänzen?
• Es gibt einen Grund, warum Du Senior bist und nicht die Charge rechts oder links von Dir! Es gibt
einen Grund, warum Du in diesem Verein bist und das ist nicht das billige Bier! Es gibt ein Fach
was Du studierst, Seminare die keiner Deiner Bundesbrüder besucht, Bücher die keiner der anderen
gelesen hat, Erlebnisse die Dich ganz persönlich geprägt haben. Es gibt ein Semesterprogramm, das
Du ganz maßgeblich gestaltet hast, Du hast Veranstaltungen und Zitate ausgewählt und einen
Leitspruch für das Semester festgelegt. Du hast also einen breiten Fundus aus dem Du schöpfen
kannst. Du bist in einem Freundschaftsverein, erzähl ruhig etwas persönliches, etwas was Dich mit
dem Verein verbindet.
• Die drei großen Prinzipien sind nur ein kleiner Teil dessen was den Verein ausmacht. Man kann
Reden auch über das Lebensbundprinzip, Comment, die Vereinsgeschichte oder das Leben auf dem
Haus schreiben.
• Bahnbrechende Erfindungen oder die Besichtigung einer wissenschaftlichen Einrichtung im
Semesterprogramm können hingegen auch Aufhänger für eine Sciencia Rede sein.
Die ersten Worte…
…sind bekanntlich die schwersten. Schon Konfuzius sagte, dass jede Reise mit einem ersten Schritt
beginnt. Zwei Stunden vor einem leeren Bildschirm zu sitzen bringt Dich also nicht weiter. Fang an,
egal womit. Sobald Du einmal im Schreibfluss bist, kann sich selbst aus einem vermeindlichen
langweiligen Thema etwas spannendes entwickeln.
• Hilfreich ist hier auch das oben über Aufhänger gesagte. Neben aktuellen Ereignissen, kann man
auch gut eine kurze Anekdote, einen Witz oder ein Zitat benutzen, um das Eis zu brechen.
• Scheu Dich nicht davor witzig zu sein! Kommerse haben viel von Karnevalsveranstaltungen und
auch wenn eine Prinzipienrede nicht in eine Büttenrede ausarten sollte, ist eine witzige Rede über
ein dummes Thema besser, als eine langweilige Rede über ein wissenschaftlich fundiertes.
Nochmal: Du bist nicht der Festredner!
• Benutze Überleitungen. Greife Phrasen aus den vorangegangenen Lieder auf (schließlich hast Du
die ja auch ausgewählt).

Schlussworte

•Gegen Ende der Rede bietet es sich an, einen Bogen entweder zum Anfang der Rede, zur
folgenden Festrede oder zum Anlass des Kommerses zu schlagen.
• Auf jeden Fall sollte eine Rede nicht abrupt beendet werden. • Fasse zusammen, was Du gesagt hast, bring auf den Punkt was Du sagen wolltest und ende mit:
Vivat crescat floreat Markomannia ad multos annos! (Die Unsitte et in aeterna dahinter zu sitzen
sollte man unterlassen. Ewig ist nur Gott)

Sonstiges

• Lege Deine Rede so an, dass Du etwa 15-20 Minuten sprichst. Das ist unglaublich lang, wenn Du
das noch nie gemacht hast, aber es ist bei weitem nicht so viel Text, wie Du denkst. Mit drei bis
fünf Seiten (Schriftgröße 18, Du musst das im Stehen bei schlechtem Licht lesen) kommst Du
locker über die Runden.

DONT´S

• Du solltest nicht das Thema des Festredners aufgreifen. Zu groß ist die Gefahr, dass Du Dinge
vorwegnimmst oder noch schlimmer, das man Dich an der Rede des Festredners misst.
• Versuche nicht eine persönliche Vendetta auf Deiner frisch erworbenen “Kanzel” zu führen.
Persönliche Abrechnungen, mit einzelnen Bundesbrüdern oder der Aktivitas oder Altherrenschaft
als Ganzes gehören nie in diesem Grade vor die Öffentlichkeit.
• Vermeide Anzüglichkeiten oder Dinge, die jemanden beleidigen könnten. Es lohnt sich nicht für
einen schnellen Witz, die Corona gegen sich aufzubringen.
• Tu nichts, was die bierlaunige Stimmung ruiniert. Ein Kommers ist eine Feier. Eine Feier mit
Niveau zwar, aber nichts desto trotz sind die Leute da, um den Abend zu genießen. Wenn am Ende
alle traurig, trübsinnig, gelangweilt oder zornig nach Hause gehen, ist niemandem geholfen

Tipps zum Halten einer Prinzipienrede

• Auf jeden Fall solltest Du die Rede vor dem Kommers mehrfach laut sprechen.
• Übe die Betonungen, setze Pausen (nach Witzen, damit sie jeder verstanden hat, nach wichtigen
Stellen, damit jeder in sich gehen kann).
• Versuch auf keinen Fall die Rede möglichst schnell durchzubekommen, damit Du es hinter Dir
hast, nimm Dir die Zeit die Du brauchst, sonst wird die Corona unruhig.
• Notiere Dir auch in Deinem Script, wo Du Pausen setzt und wo Du Lacher oder Zustimmung
erwartest.
• Sprich laut und deutlich. Nuschle nicht und verschluck keine Silben. Sprich sauber und betont.
• Du solltest auch dringend proben, mit einem Mikrophon zu sprechen, die Technik vor der Rede
überprüfen und die Akustik testen.
• Besuche Kommerse und Kneipen anderer Vereine. Schau Dir an, wie Deine “Leidensgenossen”
das Problem angehen. Vermeide ihre Fehler und lerne aus ihren Stärken. So gewinnst Du auch ein
gutes Gefühl, für die richtige Themenwahl, Zeiteinteilung, Ablauf und vertretbare Fehler.
• Es bietet sich an, Deine Fähigkeiten erst in einem kleineren Rahmen, als einem
Stiftungsfestkommers zu erproben. Schlage eine Kneipe zu Beginn des Semesters, oder in den
Ferien. Bei einer kleineren Corona ist man vielleicht nicht so nervös und betrunkene Leute
verzeihen schneller Fehler (sofern sie ihnen überhaupt auffallen).
• Man selbst ist häufig kritischer als seine Umgebung. Wenn Du Deine Rede häufig gelesen hast,
fällt Dir beim Sprechen möglicherweise jeder kleine Fehler auf, obwohl niemand was gemerkt hat.
Sei also im Nachhinein nicht so hart mit Dir selbst, falls Du meinst, dass es hätte besser laufen
können.
• Wenn Du einen offensichtlichen Fehler machst, Dich versprichst, Namen vertauschst, die Zeile
verlierst oder Ähnliches, gerate nicht in Panik. Das schlimmste was man machen kann, ist die
Fassung zu verlieren. Wenn ein Eisläufer hinfällt steht er wieder auf und läuft weiter wie bisher.
Wenn er aber Angst hätte wieder hinzufallen, würde er garantiert ausrutschen.
• Erinnere Dich: Alle Allmacht liegt bei Dir! Du bist der Präside, in dem Moment, wo Du da oben
stehst, bist Du die höchste Autorität. Du repräsentiert den Verein. Fühle Dich auch so, benimm Dich so. Handle mit Würde und Entschlossenheit.
• Normale Fehler kannst Du wortlos übergehen, mach weiter ohne jede Entschuldigung. Wenn Du
Namen verwechselst oder grobe Schnitzer landest, kannst Du dich Löffeln oder mit einem Scherz
darauf reagieren.
• Spiele mit dem Comment. Wenn Du dich krampfhaft an die Fuchsenfibel hälst, jede Zeile aus
deinem Kommers eigentlich aus denen deiner Vorgänger zusammengeklaut ist, wirkt die ganze
Veranstaltung unsicher, aufgesetzt und gekünstelt. Kenne die Regeln und spiele mit ihnen. So
erweckst Du den Eindruck, dass Du weißt, was Du tust und wirkst souverän. Und Souverän sollte
ein Senior schließlich doch sein.