Bierstreit, Zipfel und Wichs

Bierstreit

Der Bierstreit ist eine Parodie auf die studentische Mensur.
Wenn unter Korporierten eine Meinungsverschiedenheit herrscht, insbesondere als Folge von
Beleidigungen (einem sog. Tusch), kann man, um diesen durch ein “Gottesurteil” aus der Welt zu
schaffen einen Bierstreit (Bierjungen) ausfechten.

“Bierduell” Bild aus einer Serie von Georg MuehlbergDer Beleidigte tragt diesen durch ein “Bierjunge” an. Sein Gegenüber kann dieses durch ein Hängt!
annehmen, worauf der Erste wiederum, mit “doppelt” oder “vierfach” usw. erweitern kann. Es sind
jeweils nur Verdopplungen, oder Zweierschritte möglich. Selbstverständlich kann auch der
Beleidigte seinerseits die Erweiterung erweitern usw.
• Bierjunge 1-fach
• Doktor 2-fach
• Professor 4-fach
• König 8-fach (auch Kösener Achtkant)
• Kaiser 16-fach
• Papst 32-fach
Eine weitere Steigerung darüber hinaus ist nicht möglich.

Varianten

Sportlich (Kieler Comment) nicht erstrebenswert!
Hierbei werden grob zwei gleiche Gemäße aufgeschärft (gezapft) und dann von den Kontrahenten
gleichzeitig so schnell wie möglich geleert. Derjenige, der dieses als erster bis zum Boden, ohne
einen Tropfen zu verschütten (ohne zu bluten) geleert hat, geht als Sieger hervor.

Akademisch
Die wesentlich aufwenigere Variente ist der akademische Bierstreit. Hierbei suchen sich die beiden
Streitenden einen Präsiden, der den Bierstreit leitet und entscheidet. Zusätzlich können sie sich
jeweils einen Sekundanten dazunehmen.
Bei einem akademischen Bierstreit wird auch die gesammte Corona mit einbezogen. Auf
Veranstaltungen bietet es sich daher an ggf. einen anderen Raum aufzusuchen, um nicht alle
Anwesenden mit den privaten Streitigkeiten aufzuhalten.
Der Präside sollte von beiden Seiten als neutral und gerecht anerkannt werden. Mit der Übernahme
des Amtes geht nicht nur die Entscheidungsgewalt auf ihn über, er kann auch sämtliche Regeln des
Bierstreits, Strafen für Verstößen und Worterteilungen festlegen. Er eröffnet damit den offiziellen
Teil des Bierstreits häufig mit den scherzhaften Worten: “Alle Allmacht liegt bei mir.”
Der Präside fragt nach den Gründen für den Streit und den erforderlichen Hintergründen. Die
Sekundanten schildern dabei alle Einzelheiten in Absprache mit ihren Mandanten. Auch
Umstehende können als Zeugen einbezogen werden. Der Präside entscheidet über das Wortrecht. Es
wird mit einem “verbum petto” angetragen und mit einem “habeas” gewährt oder einem “Non
habeas” abgelehnt. Bittet man für eine andere Person um das Wort so tut man dies mit einem
“verbum petto in nomine”.
Danach lässt der Präside die Gemäße aufschärfen. Hierbei wird peinlich, bis auf den Millimeter
genau auf den Gleichstand der Gemäße geachtet, dieser wird ggf. von den Sekundandten
gegengeprüft, wobei natürlich alle Entscheidungsgewalt beim Präsiden verbleibt.
Anschließend wird der weitere Ablauf vom Präsiden erläutert. Er kann dabei alle Mittel einsetzen,
die ihm angemessen erscheinen, er kann verlangen, dass die Gemäße erst nach einem erfolgreichen
Lauf durchs Treppenhaus oder zwei Pirouetten geleert werden dürfen oder nach dem Leeren des
Gemäßes erst ein lateinischer Spruch aufgesagt werden muss. Nachfragen von Seiten der
Anwesenden werden mit dem üblichen “verbum petto” gewährt oder abgelehnt.
Grobe Missachtungen gegen den Präsiden, seine Regeln oder das Ritual des Bierstreits kann der
Präside jederzeit mit einer Kanne ahnden, wobei sämtliche Regeln bezüglich des Couleuralters
außer Kraft gesetzt sind.Um den Trinkbeginn entsprechend zu timen hat sich folgendes Ritual enthabliert:
Vom Boden – zum Hoden
Vom Nabel – zum Schnabel
Sauft´s!
D.h. das Gemäß wird in mehreren Etappen schließlich bis an die Lippen gesetzt und erst auf das
Kommando “Sauft´s!” wird begonnen zu trinken. Während der Erläuterung wird, um
Missverständnisse zu vermeiden, zuvor gesagt: “Das Kommando zieht im Folgenden unscharf”,
dass heißt, es wird nicht befolgt, sondern lediglich erläutert. Beim ernsten Durchlauf wird zuvor
bekanntgegeben, dass “das Kommando im Folgenden scharf zieht”.
Die Sekundanten ziehen auf jeden Fall mit, die restliche Corona sollte dies aus Höflichkeit auch tun
und kann vom Präsiden auch direkt dazu aufgefordert werden.
Nach Abschluss des Trinkens, zuzüglich etwaiger Erweiterungen des Präsiden, gibt dieser seine
Entscheidung bekannt und fragt den Unterlegenen, ob eine Entscheidung gewünscht sei. Verneint
dieser, ist das Urteil rechtskräftig und der Streit damit aus der Welt geschafft.
Wird das Ergebnis eines Bierstreits von einem der Trinkenden angezweifelt, kann der Präside eine
Nagelprobe anordnen. Dabei werden beide Gläser waagerecht auf den Tisch gelegt und der
Daumennagel an den Glasrand gelegt. Wenn noch soviel Bier im Glas verblieben ist, dass der
Daumennagel des Angezweifelten nass wird, gilt der Bierstreit für ihn als verloren.
Häufig wird jedoch schon direkt nach dem Trinken das Glas über die Schulter “geworfen”, wenn
dabei noch Bier aus dem Glas tropft gilt der Bierstreit ebenfalls als verloren, unabhängig davon,
wieviel Bier zu diesem Zeitpunkt noch im Glas des Kontrahenten ist.
Diese Übersicht ist selbstverständlich nur ein Abriss und kann auf unzählige Art und Weise
abgewandelt und erweitert werden. Auf Grund der Länge des Rituals und der Beeinträchtigung aller
Unbeteiligten, ist nochmals darauf hingewiesen, dass es sich für bestimmte Veranstaltungen in der
Öffentlichkeit nicht besonders gut eignet.

Nagelprobe

Wird das Ergebnis eines Bierstreits von einem der Trinkenden angezweifelt, kann der Präside eine
Nagelprobe anordnen. Dabei werden beide Gläser waagerecht auf den Tisch gelegt und der
Daumennagel an den Glasrand gelegt. Wenn noch soviel Bier im Glas verblieben ist, dass der
Daumennagel des Angezweifelten nass wird, gilt der Bierstreit für ihn als verloren.
Häufig wird jedoch schon direkt nach dem Trinken das Glas über die Schulter “geworfen”, wenn
dabei noch Bier aus dem Glas tropft gilt der Bierstreit ebenfalls als verloren, unabhängig davon,
wieviel Bier zu diesem Zeitpunkt noch im Glas des Kontrahenten ist.

Zipfeltausch

Für den Zipfeltausch gibt es kein allgemeingültiges Ritual. Ganz gleich, ob der Tausch auf dem
Eiffelturm mit Champagner oder für den Vorstandszipfel aus dem biergefüllten Stiefel erfolgt, sollte
ein feierlicher Rahmen gewählt werden.
Die Zeremonie des Zipfeltausches wird in der Regel von einem Bundesbruder geleitet, der den
beiden Tauschenden freundschaftlich verbunden ist. Für jeden Tauschpartner werden drei Gläser
Bier vorbereitet. Nach einleitenden Worten und einer Prüfung der Zipfel durch den Sekundanten versenkt jeder den
Zipfel, den er zu tauschen gedenkt, in sein erstes Glas. Dieses wird ad profundum geleert, der Zipfel
mit den Lippen aufgefangen und in dem zweiten Glas versenkt.
Das zweite Glas wird nur zur Hälfte geleert, dann tauschen die beiden Partner ihre Gläser und damit
die Zipfel. Nun werden die Gläser geleert, die Zipfel wiederum mit den Lippen aufgefangen und im
dritten Glas versenkt.
Anwesende ziehen dabei in der Regel mit. Der nun zum 3. Mal mit den Lippen aufgefangene Zipfel
wird von den Lippen vorsichtig zwischen zwei Bierdeckel gelegt. Nun ist der Tausch besiegelt.
Anschließend wird in geselligem Rahmen weiter getrunken, bis die Zipfel getrocknet sind. Dies
entscheidet wiederum der Sekundant. Wird ein feuchter Zipfel von einem Tauschenden mit den
Fingern berührt, muß der Tausch wiederholt werden.
Der getauschte Zipfel kann an diesem Tag am Revers getragen werden.
In einigen Vereinen ist es üblich, dass jeder dem Tauscher einen Zutrunk antragen kann, bei dem
dieser selbstverständlich mitzieht. Ebenso ist es mancherorts so, dass sämtliche Getränke auf
Kosten der Tauscher gehen, bis die Zipfel für trocken erklärt wurden.

Der Wichs

(im Süddeutschen auch “die Wichs”) ist die aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts stammende
Festtracht der Verbindungsstudenten. Er wird bei bestimmten Anlässen von den Chargen oder ihren
Vertretern, den Chargierten, getragen, um die Verbindung zu repäsentieren. Man unterscheidet Voll-
und Salonwichs. Aus beiden Formen kann jeweils der Trauerwichs abgeleitet werden. Wichs-
Varianten wie Bergmannskittel oder Frack lockern das Bild weiter auf.
Seit dem Wintersemester 1909/10 chargiert die Markomannia nur noch im Salonwichs.
Der Salonwichs besteht nur aus Paradecerevis bzw. Barett, Schärpe, weißen Handschuhen und
weißem Hemd mit silbergrauer Krawatte die zum dunklen, bevorzugt schwarzen, Anzug getragen
werden. Das Cerevis neigt sich zur rechten Stirnseite, so daß der Zirkel für den Gegenüber lesbar
ist. Die Schärpe wird von der rechten Schulter zur linken Hüfte getragen (erste Vereinsfarbe
(schwarz) innen). Der Fuchsmajor kann als Zeichen seines Amtes einen Fuchsschwanz tragen, der
am Cerevis oder der Schulter der Pekesche (beim Vollwichs) befestigt wird. Der Zipfelbund wird an
der Brusttasche befestigt.
Der Vollwichs ist in vielen Teilen der Uniform eines Husaren nachempfunden: Paradecerevis oder
Barett als Kopfcouleur, der Uniformrock (Pekesche oder Haus genannt), Schärpe in
Verbindungsfarben, weiße Hose, schwarze Stiefel (Kanonen), weiße Handschuhe und ein Gehänge
mit Säbel, dem sogenannten Schläger.
Der Trauerwichs entspricht dem Salonwichs, nur werden Krawatte und Handschuhe in schwarz
getragen. In einigen Verbindungen wird über den Schärpen ein Trauerflor, das heißt eine schwarze,
aber durchsichtige Schärpe getragen. Die Fahne wird auf jeden Fall mit einem Trauerflor
ausgestattet. Der Zipfelbund wird nicht an die Brusttasche gehängt.
Verhalten im WichsDer Wichs wird hauptsächlich zu Kneipen und Kommersen (eigener und denen befreundeter
Korporationen) getragen. Daneben ist es üblich, auch bei bestimmten Gottesdiensten, Prozessionen,
Festakten, Hochzeiten und Beerdigungen Alter Herren zu chargieren.
Die Regeln, die für Chargierende existieren, vollständig zu beschreiben, würde diesen Rahmen
sprengen, zumal das Verhalten im Wichs immer von der jeweiligen Situation abhängig ist.
Als oberste Regel gilt allerdings, daß die Chargierenden immer ihren Verein in der Öffentlichkeit
repräsentieren, so daß ein entsprechendes Verhalten absolut notwendig ist. Bei schlechtem
Benehmen der Chargierenden würde dieses Verhalten sofort auf die jeweilige Korporation
zurückfallen. Daher ist es besonders für die Chargierenden angezeigt, den Comment streng zu
beachten und sich stets nach ihm zu richten. Allgemein kann man als wichtig bezeichnen, daß sich
die Chargierenden während einer Veranstaltung auf ein einheitliches Verhalten einigen, so daß ein
geschlossenes Bild gewahrt wird. Beim Chargieren gilt immer das Kommando des
Mittelchargierten. Auf den Wichs hat ein Chargierender immer sorgfältig zu achten. Besonders
wenn er aus verschiedenen Gründen Teile ablegen sollte, muß er sich darum kümmern, daß die
Teile immer unter Aufsicht bleiben. Fällt ein Teil einer anderen Korporation in die Hände, muß er
im allgemeinen mit einem Faß Bier ausgelöst werden.
Geht ein Chargierter vor der Veranstaltung auf Toilette, so legt er dazu Cerevis, Schärpe,
Handschuhe und Schläger ab, und gibt sie einem Bundesbruder zur Aufsicht.
Dies geschieht, um die Verschmutzung des Wichses zu vermeiden, da beim Gang auf Toilette die o.
g. Elemente des Wichses im Wege wären. Das Rauchen im Wichs ist unter allen Umständen zu
unterbleiben, da durch die Glut mancher Zigaretten in der Vergangenheit schon manche Löcher in
den Wichs gebrannt wurden. Wird das Verlangen eines Chargierenden nach Nikotin allerdings
übermächtig, so sollte er zumindest die gleichen Gegenstände wie bei einem Gang auf die Toilette
ablegen, und diese beaufsichtigen. Das Rauchen ist den Chargierenden aber während einer
Veranstaltung nicht erlaubt.
Begrüßt ein Chargierender jemanden per Handschlag, so ist es höflich, dazu den Handschuh
auszuziehen. Dies wird aber nicht von allen Chargierenden praktiziert, da viele den Handschuh als
festen Bestandteil des Wichses betrachten, der daher auch nicht abgelegt werden muß. Neben der
Höflichkeit veranlaßt in der Regel die Sauberkeit der Handschuhe die Chargierenden dazu, diese bei
der Begrüßung auszuziehen.